Reiki und Religion

Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, habe ich Reiki für mich als die Energie des Hl. Geistes identifiziert, weil viele der Eigenschaften, mit denen Reiki beschrieben wird, auch auf den Hl. Geist zutreffen. Allerdings bin ich bei meinen Recherchen zu Reiki auf die widersprüchlichsten Beurteilungen und Stellungnahmen gestoßen. Einerseits wird Reiki als »Teufelszeug« oder »Werkzeug des Antichristen« gebrandmarkt, andererseits finden sich unter den Anwendern auch Priester vieler christlicher Konfessionen.

Mir als Laie ist hierbei eines wichtig: liebevolle Achtung der Meinung anderer – annehmen muss ich diese Meinung natürlich nicht, genau wie es jedem freisteht, die hier in diesem kleinen Buch dargelegte Meinung anzunehmen oder auch nicht. Jeder Mensch hat seinen freien Willen und kann selbst entscheiden was er möchte. Dies gilt für Reiki genauso wie für Glaube und Religion.

Ich persönlich glaube, dass in der heutigen Zeit viele Menschen ihre Spiritualität verloren zu haben meinen. Gott und Glaube haben oft keinen Platz mehr im Leben, weil sich die Leute gegängelt und eingeengt fühlen von Vorschriften, Glaubenssätzen und Dogmen. Das führt zu Gleichgültigkeit, aber auch zu Radikalisierung, denn einige empfinden diese Leere, weil die Verbindung zur eigenen Seele und damit zum Schöpfer verschüttet ist, als beängstigend. Da kommen Versprechungen von Gemeinschaft und vermeintliche Wertschätzung schnell mit falschen Versprechungen daher und werden nur zu gerne angenommen.

Wichtig ist die Trennung von Gott, dem Glauben an ihn und Religion. Religion ist ein Konstrukt von Menschen, um den Glauben an Gott zu verbreiten und – im besten Fall – möglichst vielen Menschen auf den unterschiedlichsten Wegen nahe zu bringen. Menschen zu helfen, diesen Glauben und damit Gott zu finden und spirituell zu leben, das ist die Aufgabe von Religion und ihr Ziel. Leider ist es bei allen Religionsgemeinschaften immer wieder zu Entgleisungen gekommen – selbst die Bibel (hier das Alte Testament) ist voll von Geschichten über Kriege und Eroberungen im Auftrag Gottes. Im Mittelalter wüteten Inquisition und Hexenwahn, vor noch gar nicht so langer Zeit standen sich in Nordirland die beiden großen christlichen Konfessionen spinnefeind gegenüber. Auch in der heutigen Zeit lassen sich erschreckende Beispiele finden, was religiöser Fanatismus anrichten kann.

Das hat für mich nichts mit Glauben zu tun, mit Glauben an Gott, den Schöpfer, der uns erlaubt hat, als Teil seiner Schöpfung diese zu nutzen. Doch sein Auftrag bedeutet auch und vor allem, die Schöpfung zu schützen, damit sie blühen und gedeihen kann und auch unsere Nachkommen in ihr und von ihr leben können. Wir sind alle ein Teil des Ganzen, mit allem verbunden. Der Apostel Paulus beschreibt die »Glieder eines Leibes« im Ersten Brief an die Korinther (Verse 12ff). Dieses Bild beschreibt sehr eindrücklich, was im Idealfall möglich ist: Individuen, die ihr eigenes Leben leben und dabei zur Gemeinschaft genau das beitragen, was diese braucht. Jeder hat seinen Platz, entwickelt sich weiter und wächst an seinen Aufgaben. Wird ein Teil dieses Leibes krank, … Jeder kann sich vorstellen, was geschieht, wenn Teile nicht mehr funktionieren (können). Hier wird die gleiche Verbundenheit von allen mit allen und allem ausgedrückt wie in den fernöstlichen Kulturen (s. auch Kapitel 4).

Dabei »führen viele Wege nach Rom«, wie es so schön heißt. Damit meine ich, dass es viele Wege gibt, seine Verbindung zur Seele und damit zu Gott zu finden und zu leben. Jede Religion, jede Glaubensgemeinschaft hat ihren ganz eigenen Weg, der bestimmte Facetten betont. Das ist nichts Verwerfliches, im Gegenteil, spiegelt es doch die Vielfalt menschlichen Lebens auf der Erde wider! Nicht die Vielfalt ist das Problem, wenn Respekt und Achtung herrschen. Wenn wir in liebevoller Achtung dem Anderen seinen Weg lassen, so wirken alle am eigentlichen Ziel: der Verbesserung der Lebensqualität für Mensch und Tier. Es gibt keine »besseren« Menschen, kein »minderwertiges« Leben, dem man die Daseinsberechtigung absprechen kann.

Die Urvölker haben uns schon immer vorgelebt, wie es gehen kann – und gehen muss, wollen wir die Schöpfung unseren Nachkommen erhalten. Alles, was die Natur hergibt, darf genutzt werden – aber immer nur so viel, dass genug übrig bleibt, um den Fortbestand zu sichern, im Tierreich wie bei den Pflanzen. Ein schöner Brauch ist es auch, der Seele des Tieres und der Pflanze zu danken, dass sie uns Nahrung ist und uns hilft zu leben.

Das bedeutet für viele ein immenses Umdenken – und ist alles andere als einfach. Die großen Ballungsräume, Menschenansammlungen, Flüchtlingsströme – dazu die Sünden der Vergangenheit, die manches Gebiet der Erde für lange Zeit beeinträchtigt haben – all das sind Probleme, die uns zwar zunehmend bewusst werden, die sich aber nicht auf die Schnelle lösen lassen. Viele stellen parteipolitische Ziele und Machtgelüste über das, was nötig ist. Manchmal sind Mut und Fantasie gefordert, und beides kann sehr unpopulär sein. Eigenverantwortung ist unbequem …